Leonie Matt
, 8:21

Traumberuf Spieleentwickler – Vortrag Dr. Reiner Knizia

Obwohl Dr. Reiner Knizia sich an diesem Abend als Spieleautor vorstellt, erinnert mich seine Erscheinung sofort an eines der beliebtesten Berufsbilder von Kindern. Das Hobby, den Spaß und das Spiel zum Beruf zu machen – das klingt wie ein Traum. Was Knizia jedoch im Rahmen seiner Rede und der anschließenden Diskussion verdeutlicht: Es ist harte Arbeit, die eine Mischung aus Erfahrung und Disziplin und last but not least jeder Menge Ideen bedarf.

Knizia sieht – oberflächlich gesagt – aus, wie ich mir einen Spieleerfinder vorstelle: Eine schmale Statue, die aus einem unauffäligem Anzug herausragt. Eine Fliege, die das verschmitzte Gesicht und die wachsamen, dunklen Augen betont. Er, der unsichtbare Spieleerfinder, steht heute im Wissenschaftstheater im Rampenlicht. Ein vergleichsweise junges Publikum beobachtet ihn neugierig. Zu Anfang erklärt Knizia, dass er sein Wirken, seine Unterhaltung in Schachteln packt. Keineswegs wirkt der Spieleautor, der insgesamt etwa 600 Spiele veröffentlichte, schüchtern – im Gegenteil: Als er seinen Vortrag mit der Geschichte des Spiels beginnt, wirkt er locker, entspannt, er redet frei und wirft Anekdoten ein. Wir lauschen ihm gespannt. Den allgemeinen Teil zur Historie und zur Spielebranche fasst der Redner bewusst kurz. Der für mich prägendste Satz:

„Spiele sind ein Spiegel unserer Zeit, sie finden stets auf den Medien statt, die uns Menschen zur Verfügung stehen.“

Viel wichtiger aber ist ihm der zweite Teil – die Spieleentwicklung. Wie geht das? Wenn Knizia gefragt wird, wie er kreativ wird, dann weiß er darauf keine Antwort. Eins jedoch ist gewiss: Ihm gehen die Ideen nicht aus: „Für mich sind sie fast schon ein Fluch, weil all diese Ideen getestet werden wollen, was natürlich nicht möglich ist.“ In seinem Studio hat der Spieleautor ein Regal mit 50 Schubladen: „In jeder Schublade findet sich ein Spiel in der Erprobungsphase.“, so Knizia. Gemeinsam mit einem erfahrenen Spielerteam spielt er die Spiele immer wieder, manchmal Hundert Mal. Das Schubladensystem ist eine natürliche Auslese, bei dem uninnovative Spiele verdrängt werden. Innovation ist dem studierten Naturwissenschaftler sehr wichtig. Im Entwicklungsprozess fragt er sich stets nach dem Grund, weshalb Menschen sein Spiel spielen sollten.

„Die besten Chancen, etwas Innovatives zu erschaffen, hat man, wenn man mit etwas Innovativem startet.“

Spielentwicklung ist für den einstigen Top-Manager im Finanzwesen eine Kunst, keine Wissenschaft. Es geht in der Spielentwicklung um dreierlei: Thema, Mechanismus, Material. Auch das Zutun von ein wenig Glück streitet Reiner Knizia nicht ab. Selbst glaubt er übrigens nicht, dass er ein guter Spieler ist: Dafür spiele er zu selten konkret nur ein Spiel. Er mag kooperative Spiele, weil dies das ohnehin schon vorhandene gemeinschaftliche Erlebnis verstärkt. Religion, Hautfarbe, Alter – das spielt dabei keine Rolle, jeder Spieler ist am Brett gleichberechtigt.

Auf die Frage nach der Zukunft des Brettspiels arbeitet Knizia so routiniert und durchdacht, wie auf alle der vielen Fragen, die ihm nach seinem Vortrag gestellt werden: „Spiele tragen nach wie vor zum gesellschaftlichen Beisammensein bei.“ Er selbst sehe den wachsenden Marktanteil elektronischer Spiele, verstehe sich jedoch immernoch als klassischer physischer Spieleerfinder: „Man darf sich auch nicht verbiegen!“

Knizia und sein Wirken ist ein prädistiniertes Beispiel für das Harmonieren von Wissenschaft, Kunst und Spiel. Auch Dr. Alexander Kraus vom Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation zeigt sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden: „Wir wollten mit Reiner Knizia noch einmal zu den Ursprüngen von Spiel zurückkehren. Dass wir dafür einen großen Bekannten gewinnen konnten, war sehr wichtig.“

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Leonie Matt
, 20:55

SPIELSTADT – Kinderfest

Die Stadt Futura erbauen – das ist eine Aufgabe beim Geschicklichkeitsspiel. Ein dünner Stab mit einem Korkball, auf den eine Platte gelegt wird; so die Ausgangsbasis für das Spiel. Auf die Platte sollen dann nach und nach Häuser gestellt werden, ohne, dass die Konstruktion auseinanderfällt. Ganz schön schwierig – Geschick ist gefragt!

Die zweijährige Anna jedenfalls baute ihre Stadt erst einmal auf dem Tisch auf. Gemeinsam mit ihren Geschwistern besuchte sie die temporäre Erlebniswelt, die im Rahmen der Phaenomenale in der Bürgerhalle im Rathaus aufgebaut wurde. Neben den Geschicklichkeits- und Feinmotorikspielen, die von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des phaenos, Christina Dirk, mitgebracht und betreut wurden, warteten noch weitere Angebote auf Spielbegeisterte. So waren Andrea Haupt und der FSJler Robert Köhler vom Wolfsburger Figurentheater mit einer großen Auswahl an Basteltextilien vertreten, um schlichte Kochlöffel zu tollen Puppen zu verwandeln. „Dabei geht es vor allen Dingen um das Ausprobieren“, weiß Haupt, die die Kinder beim Basteln anleitet. Zuerst wird zum Beispiel überlegt, wie die Augen der Puppe aussehen sollen, dann werden sie auf Papier oder direkt auf den Stoff gemalt und erst im Anschluss zurechtgeschnitten. Wenn das Ergebnis nicht stimmt, wiederholt man den Vorgang. Ganz besonders interaktiv wurde es am Stand des Behindertenbeirats e.V.. Dort stellte Frank Roth mit seinen Kollegen einen Altersanzug vor oder betreute einen Parcours, der im Rollstuhl gefahren werden konnte. Für jedes Kind gab es somit an diesem Spieletag in der – ungewöhnlich bunten – Bürgerhalle etwas zu entdecken und auszuprobieren.

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Leonie Matt
, 5:48

Games Culture [17.08. – 05.11.17]

Passend zur Eröffnung der Phaenomenale hatten die Besucher am Donnerstagabend im Anschluss die Möglichkeit, im oberen Stockwerk des Schloss Wolfsburg eine neue Ausstellung des Kunstverein Wolfsburg zu besichtigen.

Dass „Games Culture“ eine Mischung aus Kunst und Spiel bildet, wird beim Betreten des Raumes deutlich. Ein großer – an Gymnastik erinnernder – Ball ist vor einer Leinwand installiert. In dem Spiel, zu dem der Besucher aufgefordert wird, geht es darum, durch geschickte Bewegungen die Kugel auf die Spitze eines Berges zu rollen. Auf einem anderen Bildschirm läuft ein Film, der an das legendäre Super Mario erinnert: Kein Wunder, stellt der Protagonist Bryson Wallace in „The Joy of Mario Making“ die Programmiermöglichkeiten des Games Super Mario in Form eines Bob Ross (US-amerikanischer Künstler und Fernsehmoderator) Lehrfilms dar. Damit wird eine direkte Verbindung von Malerei und digitalem Spiel geschaffen.

An einer Wand hängen 21 Fotografien, die auf den ersten Blick an die Arbeiten eines Dokumentarfotografen erinnern. Tatsächlich handelt es sich um Aufnahmen des dänischen Künstlers Morten Rockford Ravn, der aus Sicht der Gamer-Kamera Bildaufnahmen machte und damit die faszinierende (und leicht gruseliger) Nähe von virtueller und realer Welt darstellt.

Kurator der Ausstellung ist Justin Hoffmann, der die Ausstellung als Mischung zwischen Kunst und Gaming versteht. Insbesondere betont er die Vielfältigkeit von „Games Culture“: Von Spielen, bei denen der Betrachter aktiv werden kann über emanzipatorische Arbeiten bis hin zu humorvollen Werken wird eine ganze Bandbreite geboten. In dem Bereich „Games Culture Fan Art“ sollen Menschen durch digitale Spiele zu eigenem kreativem Schaffe n angeregt werden. Bis zum 05.11. gibt es in den Räumlichkeiten des Kunstvereins also viel zu sehen bzw. zu spielen.

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Leonie Matt
, 23:13

Eröffnung der Phaenomenale 2017

Ein buntes Programm mit höchst innovativen Auftritten und spannenden Funfacts bildete am Donnerstagabend den Auftakt zur Phaenomenale 2017 – dem Science und Art Festival.

Gleich zu Beginn der Auftaktveranstaltung machte Monika Kiekenap-Wilhelm vom Kulturwerk der Stadt Wolfsburg mit ihrer Rede deutlich, dass sich in den kommenden zehn Tagen alles ums Spiel drehen wird: Die obligatorische Eröffnungsrede verwandelte sich kurzerhand in ein Spiel, bei dem das Publikum interaktiv die wesentlichen Punkte der Rede erriet.

Den Anschluss machte der Oberbürgermeisters Klaus Mohrs, der insbesondere die Vernetzung und Vielfältigkeit der Wolfsburger Kulturlandschaft lobte. Im Hinblick auf die Phaenomenale betonte Mohrs das Ziel, auch kritische Aspekte in neuen digitalen Entwicklungen anzusprechen, wie zum Beispiel den anstehenden Vortrag über Spielsucht. Das Science und Art Festival – was in dieser Art übrigens einzigartig in Deutschland ist – gestaltet sich als Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Alle Bereiche widmen sich der gleichen Fragestellung, die Annäherung hingegen geschieht auf unterschiedliche Art und Weise.

Auch Dr. Justin Hoffmann vom Kunstverein Wolfsburg verlor an diesem Abend einige Worte. Er sieht das Spiel als Grundlage für Religion, für Theater, Kunst und Kultur. Vermehrt hätte das Spiel in den letzten Jahren Einfluss auf die Gesellschaft gewonnen, erkennbar zum Beispiel in dem Begriff „Gamification“. Dieser beinhaltet, dass auch in Nicht-Spielbereiche spielerische Elemente implementiert werden. Kulturelle Veränderungen entstehen durch die Digitalisierung von Spielen: Heute besteht dank Smartphone die Möglichkeit, jederzeit und an jedem Ort zu spielen. Natürlich ließ Hoffmann es sich nicht nehmen, für die Ausstellung „Games Culture“ zu werben, die die Zuschauer im Anschluss in der oberen Etage des Schloss Wolfsburg besichtigen konnten. Ein separater Blogpost zur Ausstellung folgt in Kürze.

Ein Highlight des Abends war zudem die Rede von Petra Fröhlich. Als Journalistin der Spiele-Branche ist sie Expertin für Games, gründete 2016 sogar ein eigenes Nachrichtenmagazin (GamesWirtschaft.de), welches über Computerspiele berichtet. In ihrer Präsenation stellte sie zehn interessante Fakten über die Computerspielbranche vor. Unter anderem berichtete sie über die wachsende Bedeutung des eSports, also den sportlichen Wettbewerb zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen. Dass eSport aktuell noch keine offiziell anerkannte Sportart ist, tut dem wachsenden Interesse an dem Wettkampf keinen Abbruch. Preisgelder steigen und erste Fußballvereine, darunter zum Beispiel der VfL Wolfsburg, nehmen Computerspieler unter Vertrag.

Den krönenden Abschluss bildete die musikalische Performance von Andi Otto, der quasi ein neues Instrument erfand: Sein Cello „tunte“ er mit Bewegungssensoren. Die Entwicklung liegt bereits zehn Jahre zurück und resultierte in dem sehr ausgeklügelten System, was Otto an diesem Abend in drei Stücken beispielhaft veranschaulichte. An dem Instrument befindet sich ein Bewegungssensor. Jede Bewegung, die der Musiker macht, ist einer Funktion zugewiesen, die wiederrum über eine Software in unerwartete Klänge und Effekte umwandelt. Zugegeben, ziemlich schwer zu erklären und wahrscheinlich noch schwerer zu verstehen, aber genau das verdeutlicht auch, was viele Zuhörer, die diese besondere Art der Musik zum ersten Mal hörten, sich dachten: Beeindruckend!

Die Eröffnungsfeier der Phaenomenale gab, insbesondere durch die Auftritte von Andi Otto und Petra Fröhlich, erste Einblicke in die Themenwelt des Spielens und machte Lust auf die kommenden Veranstaltungen!

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