Phaenomenale 2010

Phaenomenale 2010
Science & Art Festival der Region

Ein Gemeinschaftsprojekt von
Kunstverein Wolfsburg
phæno und
Kulturbüro der Stadt Wolfsburg

Risiko Unlimited?
25.–28.02.2010

Phaenomenale 2010
Science & Art Festival der Region

Risiko Unlimited?

25.–28.02.2010

Nachdem die letzte Phaenomenale ganz im Zeichen des Weltraums stand und sich mit fernen Möglichkeiten und Welten jenseits unserer Alltäglichkeit befasste, setzt das diesjährige Festival einen Fokus auf Fragestellungen zum Thema Risiko hier und heute. Der Impuls dafür waren die katastrophalen Fehlentwicklungen auf den Finanzmärkten, unabsehbare Reaktionen auf dem Gebiet des Klimawandels sowie wachsende Gefahren von Pandemien.

In diesem Jahr haben es sich die Veranstalter der Phaenomenale, das Kulturbüro der Stadt Wolfsburg, der Kunstverein Wolfsburg und das phæno, zum Ziel gesetzt, verschiedene Aspekte von Risiken sowie Spekulationen als gesellschaftliche Praxis zu beleuchten.

Wie viel Risiko darf eine moderne Gesellschaft eingehen, wenn sie langfristig bestehen will? Was sind die tatsächlichen Risiken auf den unterschiedlichen Gebieten gesellschaftlichen Handelns? Und wie werden sie bewertet und in wessen Interesse? Andererseits, brauchen wir nicht ein gewisses Maß an Risiko und Mut zur Spekulation, damit sich Gesellschaft und Menschheit weiterentwickeln können?

Anhand dieser Fragestellungen ist ein Kaleidoskop von Veranstaltungen mit Theater, Vorträgen, Lesungen, Ausstellungen, Filmen, DJ-Acts, Konzerten, Workshops, Performances sowie einem Science Slam entstanden, denn auch in diesem Jahr möchten die Veranstalter mit ihrem Science & Art Festival den Dialog zwischen den Disziplinen von Kunst und Wissenschaft weiter vertiefen. Dazu wurden erneut verschiedene Institutionen der Städte Wolfsburg und Braunschweig aus beiden Feldern eingeladen, sich mit ihren Beiträgen am Festival zu beteiligen. Die daraus entstandene Programmvielfalt wendet sich an keine spezielle Zielgruppe, sondern ist an ein breites Publikum gerichtet.
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Besonders erfreulich für uns bleibt festzustellen, dass die Phaenomenale weiter wächst und als Science & Art Festival zunehmend mehr Institutionen aus Kunst und Wissenschaft in den Städten Wolfsburg und Braunschweig einbindet und damit hilft, einen gemeinsamen Diskurs beider Städte zu einer Kulturregion anzustiften.

Unser herzlicher Dank gilt allen beteiligten Institutionen, unseren Sponsoren, Förderern und Partnern.

No Risk – No Phaenomenale!

Veranstalter

Kunstverein Wolfsburg


Kulturbüro der Stadt Wolfsburg


phæno

Beteiligte Institutionen

Autostadt

Hallenbad

Institut Heidersberger

Ratsgymnasium

Städtische Galerie Wolfsburg

Braunschweiger Zeitungsverlag

Buchhandlung Graff

Haus der Wissenschaft Braunschweig

Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

Kunstverein Braunschweig

Museum für Photographie Braunschweig

Universum Filmtheater

Stadtbibliothek Wolfsburg

Spekulation als wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Praxis

Seit der Neuzeit und dem Verlust religiöser Gewissheiten ist die Zukunft prinzipiell offen und damit unsicher geworden. Sie gilt nicht mehr als vorherbestimmt, sondern als abhängig von Entscheidungen, die in der Gegenwart getroffen werden, die sich selbst aber an Zukunftserwartungen orientieren. Dieser Unsicherheit versuchte man mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen, die im Umfeld des Glückspiels im 17. Jahrhundert. entstanden, zu entgegnen. Bis noch vor wenigen Jahren wurde der Diskurs über die Zukunft von der Entwicklung technischer Neuerungen und deren Apologeten dominiert. Es waren nicht wie früher Literaten und Künstler, die Utopien entwarfen, sondern Technologen und Forscher, die vorhatten, unsere Gesellschaft von morgen zu gestalten. Gen- und Biowissenschaftler wollten eine Optimierung und Digitalisierung aller Lebewesen herbeiführen. Das Bild eines Menschen mit fehlerlosem genetischem Code wurde propagiert. Naturwissenschaftler prognostizierten Sprünge in der Entwicklung der künstlichen Intelligenz und Robotik. Internet und Netzwerke sollten die Wissensspeicherung und -vermittlung revolutionieren.

Heute, 2010, am Anfang des neuen Jahrtausends, sind andere Töne zu vernehmen, wenn wir von Erwartungen an die Lebensbedingungen von morgen sprechen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Glauben an das Fundament unserer Gesellschaft, die kapitalistische Marktwirtschaft, erschüttert. Spekulanten schufen nicht nur ein ökonomisches Desaster unbekannten Ausmaßes sondern schädigten auch auf ideeller Ebene die Wirtschaftsordnung nachhaltig. Hedge Fonds, einst Metaphern für den schnellen Gewinn, und andere Investmentfonds werden inzwischen für den Absturz der Börsenkurse und die daraus resultierenden Insolvenzen verantwortlich gemacht. Anlageformen dieser Art machen den extrem spekulativen Charakter der Profitmaximierung der vergangenen Jahre deutlich. Es wurde kein Risiko gescheut, obwohl der baldige Crash absehbar war.

Die allgemeine gesellschaftliche Lage erscheint seitdem als wesentlich instabiler, unvorhersehbarer und unkontrollierbarer. Das Risiko von Katastrophen hat sich erhöht. Ganze Nationen gingen in Folge von Fehlspekulationen bankrott. Die wirtschaftliche Krise bekommen vor allem die benachteiligten Schichten zu spüren. Ein extremes Beispiel dafür ist der Staat Kalifornien, eine der bisher wirtschaftlich florierendsten Regionen der Welt. Die Finanzkrise führte dort dank Arnold Schwarzenegger zum radikalen Abbau von Sozialleistungen, zu Massenarbeitslosigkeit, Armut und Hunger.

Die globale Finanzkrise erzeugt globale Zukunftsängste. Aus den Technoutopien der jüngsten Vergangenheit wurden düstere Vorahnungen, deren dystopischer Charakter durchaus mit bestimmten politischen und ökonomischen Interessen korrespondieren kann. Andererseits kann die Krise schon lange notwendige Veränderungen beschleunigen. Auf den verschiedensten gesellschaftlichen Gebieten wird ein Neuanfang herbeigesehnt. Angst- und Mutmacher stehen sich fast gleichrangig gegenüber. Von einem schadstoffarmen neuen Autotyp über die Dezentralisierung der Energieproduktion bis zur Beruhigung eines überhitzten Kunstmarkts reicht die Spekulationsspanne der erhofften positiven Effekte der Krise. Entscheidend für ihren weiteren Verlauf dürfte die Mitbestimmung der Menschen über wichtige anstehende Entscheidungen und Prozesse sein. Parallel zu den Zukunftsentwicklungen müssen sich deshalb auch politische Strukturen ändern. Verbesserte Informationssysteme und der allgemeine Zugang zu neuen Kommunikationstechnologien können hierfür einen wichtigen Beitrag leisten.

Das Kuratorenteam
Davy Champion, Dominik Essing, Justin Hoffmann, Anne Kersten, Ulrike Lorenz

ein sensomatic design